Ein traditionelles Nischenhobby avanciert zum Breitensport – die Vogelbeobachtung. Menschen aller Altersklassen suchen per Fernglas den Himmel ab und posten ihre Birding-Funde auf Instagram. Wir waren dabei: Gemeinsam mit dem Landshuter Ornithologen Philipp Herrmann erkundeten wir auf einem Vereinsausflug den heimischen Auwald und trafen auf schillernde Sänger, Meisen auf Abwegen, Kuckucksspucke und Wolfsmilch. Ein Spaziergang zum Staunen mit dem Vogelphilipp.
Birding boomt. Immer mehr Menschen entdecken die Vogelbeobachtung für sich, vor allem Familien und jüngere Generationen. Für die einen steht das wissenschaftliche Interesse im Vordergrund, für andere der Genuss des Vogelgesangs oder ein Moment der Achtsamkeit fernab des Alltags. So wächst auch die Zahl der Birding-Influencer in den sozialen Medien. Einer davon ist ein waschechter Landshuter: Philipp Herrmann, der „Vogelphilipp“.

Sein Markenzeichen: Er erkennt die Vögel an ihrem Gesang und kann dabei sogar regionale Dialekte unterscheiden. Philipp Herrmann ist ein bundesweit bekannter Ornithologe und bietet einzigartige Vogelführungen an, bei denen Interessierte die heimischen Vogelarten hautnah erleben können. Wir haben uns mit ihm aufgemacht, im Rahmen einer exklusiven Exkursion den heimischen Auwald zu erkunden.
Mit Ferngläsern und gespitzten Ohren startete die Gruppe aus Kindern und Eltern zur Brücke über den Klötzlmühlbach. Dort legte die Gruppe ihren ersten Halt ein, denn der Bach beherbergt eine besondere Bewohnerin: die heute selten gewordene Bachmuschel. Über das faszinierende Leben dieses Naturjuwels informieren seit einiger Zeit auch neue Infotafeln der Stadt Landshut entlang des Bachlaufs. Auf einem angrenzenden Feld entdeckten die Kinder wenig später einen schwarzen Vogel. Gemeinsam mit dem Vogelphilipp bestimmten sie ihn als Rabenkrähe – einen unter Vogelbeobachtern sogenannten „Allerweltsvogel“, der häufig mit dem deutlich größeren Kolkraben verwechselt wird.
In einer Hecke hinter dem Feld schimmerte plötzlich ein kleiner gelber Fleck. Ein Blick durch das Fernglas verriet: Es handelte sich um eine Goldammer.

Der goldgelbe Hahn blieb lange auf seinem Ast sitzen, stets in Fotopositur und zu einem Liedchen aufgelegt. Im Buch von Philipp Herrmann, Vögel bestimmen mit den Ohren, ist nachzulesen, dass die Goldammer mit ihrem Lied sogar Ludwig van Beethoven zu seiner fünften Symphonie inspiriert haben soll. Philipp Herrmann stellte sein leistungsstarkes Fernrohr auf, durch das alle Kinder einen Blick auf den schillernden Sänger werfen konnten. Bezaubert von dieser unverhofften Begegnung setzte die Gruppe anschließend ihren Weg Richtung Auwald fort.

Unterwegs zog ein Turmfalke über die Köpfe hinweg. Dank seines charakteristischen, gepunkteten Bauchgefieders konnten ihn die Kinder schnell bestimmen. Hoch über den Baumwipfeln kreisten außerdem mehrere Mauersegler. Die Hobby-Naturforscher lernten, wie sich deren Flugstil von dem der ähnlichen Schwalben unterscheidet: Während der Mauersegler lange Gleitphasen einlegt, flattert die Schwalbe mit häufigeren Flügelschlägen. Staunend erfuhr die Gruppe, dass Mauersegler nahezu ihr ganzes Leben in der Luft verbringen und dort sogar schlafen und fressen. Mit weit geöffnetem Schnabel fangen sie Kleinlebenwesen wie Insekten und Spinnen direkt aus der Luft – ähnlich einem Wal im Wasser, sodass der Nahrungsmix eines Mauerseglers auch „Luftplankton“ genannt wird.
An einer stattlichen Eiche erspähten die Kinder einen Kasten. Philipp Herrmann erklärte, dass es sich überraschenderweise nicht um einen Nistkasten für Vögel handele, sondern um einen Fledermauskasten. Just in diesem Moment beschloss eine Blaumeise, den Beweis anzutreten, dass dieser Kasten nicht nur Fledermäusen gefällt, und flog geradewegs hinein.
Am Rande des Auwaldes ließ dann ein weiterer Sänger sein markantes Lied erklingen: das namengebende „zilp zalp zalp“ des Zilpzalps. Der Vogelphilipp erklärte dessen besondere Nestbauweise: Aus Moos, Federn und Spinnweben errichtet der kleine Vogel ein kuppelförmiges Nest, das an einen Backofen erinnert. Begeistert formten die Kinder gemeinsam mit dem Vogelphilipp aus den Materialien der Wiesen entlang des Auwalds ihre eigenen Zilpzalp-Backöfen.

Die Wiese hatte noch einiges mehr zu bieten. Philipp Herrmann zeigte zunächst die „Kuckucksspucke“: weiße Kügelchen an Wiesenkräutern, in denen sich in Wahrheit die Larven der Schaumzikaden verbergen. Die Kinder pflückten außerdem wilden Oregano und zerrieben ihn zwischen den Fingern, bis der unverkennbare Duft ihnen in die Nase stieg. Vorsicht war dann geboten bei der Wolfsmilch: Die harmlos wirkende Pflanze mit ihren vielen kleinen gelben Blüten trägt einen giftigen Saft in sich, der bei Haut- oder Augenkontakt Reizungen auslösen kann.
Während der Eichelhäher und der Buntspecht sich nur kurz blicken ließen, begleitete die Gruppe am Ende der Wanderung noch ein ausdauernder Sänger: die Schwanzmeise. Ihre langen Schwanzfedern dienen als Balancierstange, mit der sie lebhaft durch die Bäume turnt und durchaus auch mal kopfüber an einem Ast hängt. Zwar zeigte sie sich an diesem Nachmittag nicht, doch ihr fröhliches Trillern war weithin zu hören.
Zum Abschluss wartete noch eine besondere Herausforderung auf die Nachwuchs-Ornithologen: die Handpfeife. Durch das richtige Formen der Hände und gezieltes Pusten lassen sich damit Vogelstimmen – etwa der Ruf des Kuckucks – erstaunlich realistisch nachahmen. Unter Philipp Herrmanns sachkundiger Anleitung wagten die Kinder (und ihre Eltern) ihre ersten Versuche.
Auf dem Rückweg durch den milden Frühlingsabend entdeckte die Gruppe schließlich noch wohlig-gruselige Larvengespinste und ein Meer aus Pusteblumen. Die Teilnehmer nahmen zahlreiche neue Eindrücke mit nach Hause: spannende Begegnungen mit der heimischen Tierwelt, viele Momente des Staunens – und vielleicht sogar die Fähigkeit, künftig selbst wie ein Kuckuck zu rufen.
Philipp Herrmann ist nicht nur ein überaus sachkundiger Vogelflüsterer, sondern versteht es auch, Jung und Alt für die heimische Vogelwelt zu begeistern. Unsere Kinder möchten als nächstes gemeinsam mit dem Vogelphilipp das sogenannte Heupferdchen-Abzeichen der Naturschutzjugend im LBV ablegen.
Nach der Führung stellte Philipp Herrmann sein Buch vor, das wir aus eigener Erfahrung sehr empfehlen können.
Philipp Herrmann „Vogelphilipp“
Philipp Herrmann bietet seine Exkursionen und Vorträge weit über Landshuts Stadtgrenzen hinaus an. Aktuelle Termine und weitere Informationen findet man hier: www.vogelphilipp.de
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